- Wenn du gehst, wird eine Erklärung gebraucht. Und die fällt selten zu deinen Gunsten aus.
- Das hat einen Grund, der nichts mit dir zu tun hat. Wenn es dem Aussteiger gut geht, wird die Entscheidung der Gebliebenen zur Frage.
- Dokumentiere von Tag eins an alles. Du wirst es garantiert später brauchen.
- Ich habe darüber Freundschaften verloren. Das ist der Teil, auf den mich niemand vorbereitet hat.
- Draußen warten Leute, die denselben Weg gegangen sind. Sie finden dich schneller, als du denkst.
Und jetzt der Teil, den niemand vorher erzählt
Womit ich gerechnet hatte
Mit der Arbeit. Mit dem Einkommensloch. Mit den Nächten, in denen man sich fragt, ob das eine gute Idee war.
Womit ich nicht gerechnet hatte, war die Behandlung nach dem Ausstieg aus der Struktur. Es wird nicht als berufliche Entscheidung behandelt, sondern als etwas ganz anderes.
Warum es passiert
Ich habe eine Weile gebraucht, um das zu verstehen, und ich glaube, das Verstehen ist der wichtigste Teil dieses Textes.
Wenn jemand geht und es ihm danach schlecht geht, ist alles in Ordnung. Die Geschichte erzählt sich von selbst. Er hat es eben nicht geschafft. Alle können weitermachen.
Wenn jemand geht und es ihm danach gut geht, entsteht ein Problem. Denn dann ist die Entscheidung aller anderen plötzlich eine Entscheidung, und keine Selbstverständlichkeit mehr. Jeder, der bleibt, muss sich erklären, wenigstens vor sich selbst.
Deshalb braucht es eine Erklärung für dein Gehen, und sie muss dich klein machen. Du hast dich verrannt. Du bist naiv. Du wurdest schlecht beraten. Du wirst schon merken, wo du gelandet bist.
Das ist kein Verhalten einzelner Menschen. Es ist ein Reflex einer Gruppe, und wenn du ihn einmal als Reflex erkennst, verliert er den größten Teil seiner Wucht.
Was konkret passiert
Ich schreibe das auf, weil ich es genau so erlebt habe und weil ich es vorher gerne gewusst hätte.
Es werden vielleicht Dinge über dich erzählt, die nicht stimmen. Manche davon erreichen dich nie, andere Wochen oder Monate später über Umwege.
Über mich wurde erzählt, dass ich Abrechnungen gefälscht hätte und deshalb gehen musste. Das ist von vorn bis hinten erlogen, und ich kann das belegen. So etwas erfährst du aber nur, wenn du weiter vertrauensvolle Kontakte hältst, die offen mit dir reden.
Du wirst gemieden. Auch von Menschen, mit denen du einst vertrauensvoll, beinahe freundschaftlich über Jahre gemeinsam gearbeitet hast.
Du fliegst aus der Community. Obwohl ich noch neun Monate Vertrag hatte, wurde ich aus allen Gruppen entfernt. Das ist der Moment, in dem es schmerzhaft wird. Ein Chat, eine Gemeinschaft, in der du über zehn Jahre lang Mitglied warst, ist plötzlich weg vom Bildschirm.
Und dann gibt es Menschen, die dich nach fünfzehn Jahren nicht mehr kennen. Nicht weil ihr euch gestritten hättet. Sondern weil du die Firma verlassen hast.
Das ist der Punkt, an dem ich ehrlich sagen muss, dass es mich getroffen hat. Ich habe Freundschaften verloren, die ich für stabiler gehalten hätte. Manche dieser Menschen glauben die Durchhalteparolen und alten Geschichten bis heute.
Ich bin darüber heute nicht mehr wütend. Wut ist in dieser Sache ein schlechter Ratgeber, und ich habe lange gebraucht, um dahin zu kommen. Aber traurig bin ich bis heute.
Das Praktische, und es ist wichtig
Ein Rat, den ich jedem gebe, der diesen Schritt plant.
Dokumentiere alles, ab dem ersten Tag.
- Exportiere deine wichtigen Daten, solange du noch Zugriff hast.
- Heb jede Provisionsabrechnung auf.
- Heb alle Verträge, Nachträge und Anlagen zu den Abrechnungen auf.
- Und jede Vereinbarung, jede Rückmeldung per E-Mail, auch die freundliche am Telefon.
Das klingt nach Misstrauen, und ich habe am ersten Tag persönlich gespürt, wie wichtig es ist. Es fühlt sich falsch an gegenüber Leuten, mit denen ich jahrelang zusammengearbeitet hatte.
Es ist aber die Voraussetzung dafür, dass du im Zweifel handlungsfähig bist. In einem Streit über eine Abrechnung von vor drei Jahren gewinnt nicht der, der recht hat, sondern der, der es belegen kann.
Und noch etwas. Mach das ruhig und unaufgeregt, bevor irgendetwas passiert. Wer erst anfängt zu sammeln, wenn es knirscht, ist zu spät dran.
Die Seite, die niemand erwähnt
Es gibt draußen eine ganze Menge Leute, die denselben Weg gegangen sind. Manche vor Jahren, manche gerade eben. Sie erkennen sofort, wovon du redest, weil sie es kennen.
Diese Menschen nehmen dich, wie du bist. Es gibt keine Hierarchie, kein Oben, kein Unten. Genau deshalb sind die Gespräche anders.
Ich arbeite heute mit einigen von ihnen zusammen, und es sind ein paar der besten Leute, die ich in den fünfzehn Jahren zuvor getroffen habe.
Du verlierst eine Gemeinschaft. Und du findest eine, die nicht darauf beruht, dass ihr unter derselben Firmierung lauft.
Was ich dir mitgeben will
Wenn du das hier liest, weil du gerade davorstehst, dann nimm drei Sätze mit.
Es wird kommen, und es tut weh. Rechne damit, dann trifft es dich vorbereitet.
Es sagt fast nichts über dich aus. Der Reflex ist älter als du und trifft jeden, der geht.
Es ist endlich. Nach ein paar Monaten interessiert es dich nicht mehr, und übrig bleiben die Menschen, die sowieso geblieben wären.
Ich habe niemanden zurückgelassen, den ich vermisse und der mich vermisst. Das habe ich am Anfang anders gesehen.
Wenn du diesen Weg gerade überlegst oder schon gegangen bist, schreib mir oder ruf mich direkt an. Ich antworte auf jede Nachricht persönlich.